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14 Jahre nach dem U.S. Start: Prinz Eisenherz in Deutschland

Die Badische Woche beginnt 1950 in ihrem Magazin mit Sundaypage 120

Es war damals 1950 eine kleine Sensation: in einer deutschen Illustrierten tummelte sich plötzlich aus dem Nichts eine amerikanische Rittergestalt von nordisch-europäischem Geblüt. Beanspruchte Woche für Woche eine komplette Seite dieser Illustrierten, und das auch noch in Comicform, auf einem (damals abqualifizierenden) niedrigen Niveau für Leser, die des Lesens entweder - vermutlich - unkundig oder schlicht zu faul dafür waren. Die Literaturszene lehnte solches 1950 radikal als ,,“Trivial-Schund!“ ab, die Jugend dagegen war davon begeistert.

Aber die Verleger aus dem badischen Breisgau hatten auf das richtige Pferd gesetzt, denn sie hatten auf keinen schlichten (in Deutschland verpönten) Spaßcomic gesetzt, sondern aus dem Stand heraus den absoluten Spitzenreiter der an viele Figuren reichen amerikanischen Comicszene der 50er Jahre präsentiert. Dem konnten selbst Comicgegner – damals noch in großer Zahl hier zu finden – wenig entgegen setzen, weil die Qualität der Bilder umwerfend gut und die Rahmenhandlung durchaus mit deutscher Jugendliteratur Schritt halten konnte. Mit viel Hintergrundwissen durch eine, vermeintlich historische, Geschichts-Dramaturgie.

Die Reaktion auf diese Woche für Woche, sich sogar noch steigernde, Rittersaga unter Jugendlichen, war so überwältigend, dass der Verlag sich im Jahre darauf entschloss, die einzelnen Wochenfolgen in einem Sammelband zusammen zu fassen. Der Erstauflage, noch in begrenzter Höhe mit 33.500 Exemplaren, hätte problemlos eine deutlich höhere Nachauflage mit 50.000 – 70.000 Broschüren folgen können. Leider war dies aus Fragen der Papierbeschaffung sowie kontigentierter Stromlieferung (noch) nicht realisierbar. Erst im Folgejahr zusammen mit dem Band 2 mit 50.000 Auflage, konnte dieser Nachdruck umgesetzt werden. Viele Tausend von bisher nicht belieferten Bestellern (weil vergriffen) konnten nun ihr Nachdruckexemplar glücklich entgegennehmen. Es unterschied sich im Umschlag – kein blauer Karton mit Silberprägung – durch ein farbiges Eisenherzmotiv und zur Broschüren-Rückenverstärkung durch ein rotes Fälzel. Nicht mehr eindeutig in der Rückschau aufklärbar, ob die Sundaypages – Auswahl der Nachauflage(n) mit denen der Erstauflage identisch war. Die damals verantwortlichen Redakteure handelten wohl nach Prinzipien, die den Aktionismus bevorzugten.

Ein Erfolg, mit dem niemand zuvor gerechnet hatte. Die nun regelmäßig jährlich erscheinenden Sammelbände wurden ab 1953 noch durch eine 11-teilige Buchreihe ergänzt, in der die Prinz-Eisenherz-Story von Anfang an, aber in Textform und ausgeschmückt mit den besten Abbildungen der Comicfassung erzählt wurde. Die Prinz-Eisenherz-Verkaufsbilanz setzte sich damit fast unbegrenzt fort.

1957 war man im Breisgau wohl der Last des Erfolges ein wenig müde geworden und gab die Rechte für Veröffentlichungen an den amerikanischen Lizenzgeber King Features Syndicate, Inc.Distr. Bulls zurück, der sie umgehend an den Welt am Sonnabend-Verlag in Düsseldorf durchreichte, womit die Wochenstrips bis 1970 in Deutschland gesichert waren. Das Konzept der jährlichen Sammelbände der übers Jahr erschienen Folgen wurde auch vom neuen Verlag fortgesetzt und bis 1968 mit Band 19 durchgehalten.​

Wenn man sich aber als Chronist dieser Saga versteht und 70 Jahre später das Veröffentlichungskonzept sowie die verlegerischen Beweggründe mancher zunächst unverständlichen Maßnahmen ordnen und analysieren will, tut man sich damit schwer. Denn es gibt kaum Aufzeichnungen aus diesen Zeiten, höchstens Oldiefans erinnern sich da und dort. Deshalb ist man viel auf reine Vermutungen angewiesen.

In 2020 wurde aber der Nebel über diese Zeit und ihre Veröffentlichungen des Abenteuerstrips etwas erhellt. Im Fachorgan für Comics „Reddition“ Nr.71 schildert Stefan Schmatz in seiner Betrachtung „Wie Prinz Eisenherz nach Deutschland kam“ Details, die er nach Aussage des Verlages durch Zugang zum Pressearchiv des deutschen Lizenznehmers Bulls für Recherchezwecke bekam. Eine durchaus verlässliche Quelle.

Bevor ich diese Chronik zu schreiben begann, prägten viele Annahmen mein Bild der ersten Eisenherz-Jahre. Das heißt, ich habe die Badener Redakteure als Verbündete der damals schon reichlich vorhandenen Sammlerszene gesehen, die zwar die Gesamterzählung und die Übersetzung aus der amerikanischen Urfassung zu betreuen hätten, mir aber nie vorstellen können, dass sie massiv in die Story mit ihrer durchgehenden Handlung eingreifen würden. Genau das aber taten sie und entwickelten einen Fleckenteppich aus Episoden, indem sie die Original-Handlungsabfolge nach eigenen Gesetzmäßigkeiten kürzten. Kontinuität war nicht ihr Ziel. Ich denke, der große Comic-Künstler Hal Foster hat das vermutlich glücklicherweise nie realisiert, hätte das auch nicht akzeptiert, es entsprach nicht seiner künstlerischen Auffassung.

So wurde in Deutschland das amerikanische Original, ein in sich stimmiges und Szene um Szene aufeinander aufbauendes Handlungskonzept, buchstäblich zerstückelt. Man wollte nur Abenteuergeschichte mit einem Helden aus dem Rittermilieu, der immer sein Schwert parat hielt, um für die gerechte Sache und Person einzustehen und zu kämpfen. Familienszenen waren dafür nicht gefragt. Den Jugendlichen, sicher die Mehrzahl der begeisterten Leser, war es vermutlich egal, denn sie vermissten nicht, was sie auch nicht kannten. Das Ideal war damals noch ohnehin die heile Welt.

Ganz anders stellt sich h e u t e dem Sammler das alles dar. Er verfügt inzwischen über mehrere lückenlose Veröffentlichungsreihen und kann bei entsprechender Recherche exakt Eingriffe der damaligen Medien an der fortlaufenden deutschen Fassung der Saga aufspüren und belegen. Und das sind reichlich viele über die Jahre. Ich beschränke mich mit meinem Listing auf drei der Hauptmedien: Die Badische Woche, die Welt am Sonnabend und die Phantom-Hefte des Aller Verlages.

Nicht unerwähnt will ich aber lassen, dass es neben den durchlaufenden Wiedergaben eine große Anzahl von Veröffentlichungen einzelner Eisenherz-Episoden in unterschiedlichsten Formen gab. Vom Unterhaltungsteil im Rätselheft, den 6- bis 8-teiligen Taschenbuchreihen bis hin zu mehrteiligen Buchclubausgaben. Diese große Palette von zusätzlichen Veröffentlichungen in anderen Print-Medien etc.,in denen Prinz Eisenherz seine heroischen Abenteuer auch bestand, wäre nur mit einem Großaufwand an Recherche nach den Quellen der verwendeten Orginal-Sundaypages zu katalogisieren, was wenig Sinn ergibt. Zumal sich viele Verleger nicht scheuten, auch noch für ihre Produkte massiv in das konzeptionelle Foster-Layout einzugreifen. Nicht immer gelang das im positiven Sinne.

Der immer noch sehr nachfragende Handel nach Jahresbänden, Textbänden und Einzelbroschüren zeigt, dass auch die heutige Leserschaft der Serie sich nicht bedingungslos auf die (wertvollen und vollständigen) Sammelbände des Bocola Verlages konzentriert.

Es scheint, auch die alten und nur mit Teil-Episoden bestückten Bücher und Broschüren finden noch immer ihre Interessenten (über den Handel). Unter dieser Prämisse mag der geneigte Leser, zu welcher Lesergruppe er auch zählt, das folgende Verzeichnis sehen.

Denn diejenigen Leser, die nur eine (anscheinend) fortlaufende Bildgeschichte mit viel Aktionismus suchen, mag eine ins Detail gehende Quellen-Übersicht langweilen. Sie sollten diese deshalb einfach ignorieren 1).

Intensiv-Sammlern wird das nicht genügen. Sie, die sich Infos dafür wünschen, wie ihre Sammlung bestens zu ordnen und katalogisieren sei, werden das Verzeichnis dagegen für sich nutzen, ja vielleicht dankbar dafür sein.

03.10.2020/ K.Nonnast​

siehe auch:

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14_jahre_nach_dem_u.s._start/prinz_eisenherz_in_deutschland.txt · Zuletzt geändert: 16.11.2020 11:32 von admin